Die neuen Meinungsmacher

Von den Präsidentschaftskandidaten gefürchtet und umworben: Politblogger sind ernstzunehmende Meinungsmacher im US-Wahlkampf.

Allein «Daily Kos», das grösste politische Blog in den USA, zählt aktuell 15 Millionen Besucher pro Monat. «Als ich 2003 zu schreiben anfing, hat sich niemand für uns interessiert. Im August dieses Jahres kamen bis auf Joe Biden alle demokratischen Präsidentschaftskandidaten auf unsere Yearly-Kos-Konferenz», sagte Dana Houle vom liberalen Blog «Daily Kos» unlängst der «Süddeutschen Zeitung». Zum Massenphänomen wurden Blogs in den USA spätestens mit dem Irakkrieg 2003. Damals versuchte die Anti-Kriegs-Bewegung, ihren Unmut gegen die Bush-Regierung im Web zu formulieren. Bald darauf betraten auch konservative Blogs das öffentliche Parkett.

Doch wie erklärt sich der Erfolg von Blogs – gerade auch im Kontext der Präsidentschaftswahlen? Zum einen ist sicherlich das veränderte Rezeptionsverhalten der Leserschaft anzuführen. Bereits bei der letzten Präsidentschaftswahl gaben laut einer Studie des «PEW Research Center» immerhin 18 Prozent an, das Internet als erste Informationsquelle zu nutzen. Die Quote dürfte sich nächstes Jahr nochmals erhöhen.

Ungewollte Propaganda-Helfer?
Ein weiterer Grund ist wohl bei den Medien selbst zu suchen, sagt Dana Houle weiter: «Ich glaube, dass die traditionellen Medien in den letzten Jahren den Fehler gemacht haben, zu ausgewogen berichten zu wollen (…) damit haben sie in vielen Fällen die wirklichen Hintergründe der Geschichte verpasst.» Doch weil etablierte Medien kaum auf Ausgewogenheit verzichten können, haben zahlreiche Blätter, wie etwa die «New York Times» oder die «Washington Post», eigene Blogs eingerichtet.

Natürlich versuchen Politiker die Berichterstattung in den Blogs zum eigenen Nutzen zu gestalten. Entsprechend versorgen Kampagnenteams der Präsidentschaftskandidaten die Blogger mit Informationen und Gerüchten. Ist damit zu befürchten, dass Blogs ungewollt als Propaganda-Helfer instrumentalisiert werden? «Natürlich gibt es diese Gefahr (…) doch nur die wenigsten Blogger übernehmen die ungefilterten Botschaften der Kandidaten», meint Dana Houle. wil

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